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Mansplaining: Wenn Männer alles besser wissen

Mansplaining: Wenn Männer alles besser wissen

Hast du schon einmal von dem Begriff „Mansplaining“ gehört? Nein? Dann bist du wahrscheinlich nicht alleine. Ursprünglich kommt der Begriff aus den USA und verbreitet sich langsam auch in Deutschland. Bevor wir aber genauer ins Detail gehen, fangen wir doch erst einmal mit der Definition an. mansplaining

mansplain

Mansplain = Man explain

Somit ist Mansplain oder auch Mansplaining die Kurzform, wenn ein Mann etwas erklärt. Allerdings nicht, wenn er anderen Männern etwas erklärt, sondern wenn einer Frau etwas erklärt wird.  Grundsätzlich kann man sagen, dass „Mansplaining“ die herablassende Art bezeichnet, in welcher (manche) Männer ihren Gesprächspartnerinnen etwas erklären. Dabei kann es sich um einfachste Dinge handeln, da der Mann aufgrund des Faktes, dass der Gesprächspartner weiblich ist, denkt, die Person wäre nicht genau so gebildet bzw. wisse weniger als man selbst.

Mansplain Situation #01

Auf einer Party mit einem Kerl, den ich zum ersten Mal in meinem Leben gesprochen habe: Ich sage ich wohne in Köln Sülz. Er erklärt mir, welche Postleitzahl ich habe. Ich verneine und sage meine eigentliche PLZ. Während ich noch rede, erklärt er mir, dass ich nicht in Sülz, sondern in einem anderen Stadtteil wohnen würde. Ich verneine. Er sagt mir, dass ich mich ja nicht schämen brauche, da ich dachte, ich wohne in Sülz. Wieder erkläre ich ihm, dass ich auch in Sülz wohne (schließlich steht das sogar auf meinem Personalausweis und das Einwohnermeldeamt wird es wohl besser wissen als er).  Er will meine Adresse wissen. Ich bin angepisst und sage ihm, dass ich Fremden nicht meine Adresse sage. Das Gespräch ist endlich beendet.

Interessanterweise habe ich erst vor einigen Wochen von dem Begriff gehört und wusste ohne nachzusehen direkt, was er denn bedeutet. Dabei traf ich auf dieses fiktive Magazin-Titelblatt:
Mansplaining

Kommen euch die Themen bekannt vor? Tatsächlich geschieht Mansplaining im Alltag häufiger als man (oder Frau) sich das wirklich bewusst wird. Seien es Unterbrechungen, wenn man als Frau in einem Meeting oder unter Freunden etwas erklären möchte, oder auch die Annahme des Mannes, dass man als Frau etwas nicht verstehe (obwohl man es eigentlich tut). Genauso ist es Mansplaining, wenn ein Mann dir nicht zuhört und dann doch das Gleiche wiederholt, wie du nur 2 Minuten vorher gesagt hast (weil die Meinung einer Frau nicht so gut sein kann und einem dann mit weniger Aufmerksamkeit zugehört wird, oder wieso?).

Mansplain Situation #02

Wir unterhalten uns über einen Film und über die Geschäftsfähigkeit von Kindern. Ein Kerl in der Runde studiert Jura im ersten Semester (Achtung: erstes Semester!) und unterbricht mich, während ich spreche. Er zitiert angeblich das BGB und erklärt einfachste Sachen („Unter 18 ist man nur beschränkt geschäftsfähig“). Weit und breit werden mir grundsätzliche Gesetzeslagen erklärt und irgendwann reicht es mir und ich sage:“Kannst du jetzt zu dem nicht offensichtlichen Teil kommen?“ Doch er versucht weiterhin einfache Sachen kompliziert zu erklären. Wow. Danke für nichts.

mansplaining

Dabei ist es egal, wie gut du dich tatsächlich in einem Thema auskennst und ob du in Wirklichkeit als Frau doch viel mehr weißt, als dein männlicher Gesprächspartner (diese Konstellation ist schließlich nahezu unmöglich): Du bekommst alles genauestens erklärt, vorzugsweise in einer Form, die sich mit Erklärungen einem Kind gegenüber gleichen.

Mansplain Situation #03

Fachschaftstreffen. Ich beginne von einem Treffen mit Dozierenden zu erzählen, bei dem nur einige Mitglieder anwesend waren. Männliches Fachschaftsmitglied unterbricht mich noch während meines ersten Satzes und beginnt genau über das zu reden, was ich gerade angerissen habe. Habe ich letztens nicht im selben Raum gesessen und das Gleiche mitgeschrieben? Kann ich die Themen vielleicht nicht richtig wiedergeben? Sobald die Person allerdings nicht weiter weiß, da entweder die Notizen fehlen oder man das eine Thema nicht ganz verfolgt hat, darf ich wieder sprechen. Klasse.

mansplain

Die Königsdisziplin des „Mansplaining“ ist allerdings noch einmal eine andere. Hierbei schaffen es männliche Gesprächspartner Frauenthemen verständlich und nachvollziehbar zu erklären. Top Themen: Feminismus, Vergewaltigungen und Berufsbilder von Frauen. Wem jetzt als Frau keine Person einfällt, die noch nichts zu diesen Themen mansplaint hat, der kann sich glücklich schätzen. Aber seien wir mal ehrlich, wenn man allein zu Facebook oder Twitter rüberschaut, springen einem direkt zahlreiche Kommentare entgegen, die genau diese Themen behandeln. „Frauen sollten sich anders kleiden“, „Frauen müssen besser aufpassen“, „Frauen Bla Bla Bla“. Das Meme fasst es perfekt zusammen.
mansplain

 

Und selbst wenn weit verbreitet ist, dass man sich in einem Thema auskennt, schafft es trotzdem immer noch jemand, daher zu kommen und dir etwas zu mainplanen. Jeder von uns war doch schon einmal Hillary Clinton, oder?

Was sagt ihr zu dem Thema „Mansplaining“? Kommt euch der Begriff bekannt vor oder habt ihr gerade zum ersten Mal davon gelesen?

 

 


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  1. Sehr interessantes Thema, ich kenne solche Situationen nur zu gut.

    Da gibt es auch ein Buch, welches ich selbst leider auch noch nicht gelesen habe, aber das soll gut sein: Men explain things to me von Rebecca Solnit. Vllt. ist das was für dich.

    VG
    Bearnerdette

    • Vita

      27 Juni

      Danke dir! Genau daher stammt der Begriff tatsächlich, aber gelesen habe ich das Buch (leider) auch noch nicht. Werde ich dringend nachholen!
      Liebe Grüße,
      Vita

  2. Felicitas

    27 Juni

    Ich kenne den BEgriff nicht, aber die Situation nur zu gut ! 😀 Danke für dieses amüsanten Beitrag, Vita 🙂 Liebe Grüße, Feli von http://www.felinipralini.de

  3. Jean

    28 Juni

    Hallo Vita,
    Ich finde es sehr gut wie du mansplaining erklärst und klar ist niemand vor dummen Kommentaren auf Social Media-Plattformen gefeit, aber ich muss auch sagen, dass ich gsd keine solche Typen in meinem Freundeskreis habe. Ich sortiere solche Leute grundsätzlich aus, bevor wir überhaupt besser befreundet werden. Ok, im Job geht das vielleicht nicht so leicht, aber ich finde, man sollte einfach schauen dass man nicht solche Leute im Freundeskreis hat und schon ist alles easy! 🙂
    Liebe Grüße,
    Jean

  4. Anja

    28 Juni

    Ich hab den Begriff noch nie gehört. Aber viele von diesen Beispielen würde ich nicht als Frau/Mann Problem ablegen, sondern als Mensch/Mensch. Manche Menschen müssen ihr (vermeintliches) Wissen immer herausheben. Egal ob der Gesprächspartner ein Mann, oder eben eine Frau ist.

  5. Gestern war ich auf Arbeit (jobbe nebenbei im Einzelhandel – Klamottenladen) und sollte die Bügel wegbringen. Da ich neu bin, meinte meine Supervisorin, dass ein Kollege es mir zeigen soll. Dem sagte ich dann, dass ich das auch so kann, inzwischen hat man mir das sicher schon drei mal gezeigt. (Die Aufgabe ist die Bügel von den Bügelkisten hinter der Kasse im Lager in einen großen Sack zu schütten. Also keine besonders anspruchsvolle Aufgabe.) Der meinte dann so „Naja, dann erkläre ich es dir jetzt eben mal.“ Hab ich nicht gerade gesagt, dass er das nicht muss? Also erklärte er mir schrittweise, dass ich die Bügel aus der Kiste nehmen soll und in den Sack schmeißen soll. Much wow. Und am Ende sagte er noch „Verstehst du jetzt, was ich meine?“ Wie man Sachen umlagert? Ähm ja.

    • Vita

      1 Juli

      Oh man das ist auch so ein perfektes Beispiel 😀 Danke!

  6. Bin da der gleichen Meinung wie Anja. Finde es auch eher fragwürdig, allein Männer in diese Schublade zu stecken, gerade wenn man dagegen ist, das sowas mit Frauen gemacht wird.
    Ich habe oft genug schon Frauen erlebt, die so drauf sind und gestehe auch, dass ich vermutlich selbst so ein Mensch bin.

    • Vita

      1 Juli

      Dafür gibts auch den Begriff „Femsplain“, der die Situation eben andersrum beschreibt 🙂 Allerdings bin ich solchen Frauen bisher nich begegnet, dafür umso mehr Männern, die sich so verhalten, weshalb ich eben „Mansplain“ thematisiert habe.

      • Darum verstehe ich nicht, warum es dafür extra geschlechts-spezifische Begriffe geben muss, wenn sowieso jeder Mensch mal so sein kann.
        Das wirkt für mich wieder wie so ein stärker machen des eigenen Geschlechts, was in diesem Fall meiner Meinung nach überhaupt nicht notwendig ist.

  7. Oliver

    22 November

    Hallo, ich bin ein Mann und muss euch leider verraten, dass Männer unter sich genauso Besserwisser sind. Ich erlebte oft die oben beschriebenen Situationen obwohl ich ein Mann bin. Ich glaube es liegt eher an Geltungsdrang bzw. Selbstvertrauen der betreffenden Personen. Und wie man weiß, es ist ein Geschlechterübergreifendes Problem.
    Also ich würde eher sagen es ist Menschlich statt Männlich.
    😉

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