Alles läuft super.

Alles läuft super. Du bist glücklich und dürftest keinen Grund haben dich zu beschweren. Doch trotzdem nagt da etwas in dir. Du fühlst dich schlecht. Und kannst noch nicht einmal sagen, wieso. Du fühlst dich nutzlos und bist den Tränen nah. Darfst du dich überhaupt so fühlen? Wenn dir alle sagen, dass es dir gut geht, dann soll es dir doch gefälligst auch gut gehen. Oder?

Schon den ganzen Tag ist da diese Gänsehaut, die deine Haut rauf und runter läuft. Egal, wie viele Decken du über dich legst: Es wird einfach nicht besser. Du fühlst dich, als hättest du eine Last auf deinen Schultern, die du kaum tragen kannst. Die kurz davor ist, dich zu erdrücken.

Du nimmst dir keine Auszeit. Ziehst von Termin zu Termin. Hast alles durchgetaktet. Nur um dich nicht mit dir selbst beschäftigen zu müssen. Damit du die Gedanken in deinem Kopf nicht hörst. Du hoffst sie zu vergessen. Dich mit Beschäftigung abzulenken.

Aber irgendwann kommt der Abend. Dir ist schon den ganzen Tag übel. Du weißt nicht wovon. Und irgendwann merkst du, dass dir übel ist von all dem Ballast, den du mit dir rumträgst. Dass es dir zu viel wird. Obwohl es dir nach außen hin doch so gut geht. Du keine Probleme haben dürftest. Und dich auch nicht beschweren dürftest.

Du sprichst es nicht aus. Behältst es für dich. Hoffst, dass es vergeht. So wie es die anderen Abende auch vergangen ist. Aber es passiert nicht. Die ganze Nacht liegst du halbwach. Jedes mal, wenn du aufwachst, zittert dein gesamter Körper. Du wirst nicht warm. Du lässt dich nicht wärmen. Deine Hände, deine Füße, selbst deine Lippen bleiben kalt. Und nichts hilft.

Manchmal, da muss man die Kälte rein lassen. Sich den Tränen und dem Kummer stellen. Auch wenn man es am liebsten verdrängen will. Denn je länger man davonläuft, desto größer wird die Last. Und desto weniger wird man gut davon kommen. Manchmal ist es die einzige Option.

Titelbild via Unsplash

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  1. Felicitas Famulla

    11 April

    Richtig schöner Text liebe Vita. Küsse aus Wiesbaden, Feli von https://fckeduptwenties.wordpress.com/

  2. bonne

    18 April

    „Denn je länger man (vor sich selber) davonläuft, desto größer wird die Last.“ würde ich jetzt den Satz ergänzen. Sich selber verzeihen können, ist das schönste Gefühl. Wenn sich das kleine (große) Ego angenommen fühlt.

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