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Über Freundschaften, die niemals welche waren

Über Freundschaften, die niemals welche waren

Mittlerweile kann ich sagen, dass ich wirklich tolle Freundschaften habe. Ich weiß, dass ich mich auf meine Freunde verlassen kann und sie mir treu bleiben. Aber es gab nicht immer solch rosige Zeiten. Wenn ich zurückdenke, wie vielen Menschen ich begegnet bin, merke ich oft, dass auch einige falsche darunter waren. Wenn deine eigene beste Freundin hinter deinem Rücken sagt, dass du zu anhänglich und nervig bist, ist da wohl etwas schief gelaufen. Aber leider erfährt man so etwas immer erst im Nachhinein. Echte Freundschaften halten einen Streit aus, auch einen großen und falsche zerbrechen, bevor du es überhaupt bemerkst.

Und dann gibt es Freundschaften, die eigentlich niemals welche waren. Sie waren nicht echt und sie waren nicht falsch, sie waren einfach nie wirklich vorhanden. Man lernt sich kennen und versteht sich. Verbringt immer mehr Zeit miteinander, aber die Freundschaft gelangt nie in die Tiefe. Nie werdet ihr euch so nah sein, dass ihr euch eure Geheimnisse anvertrauen könnt und nie wird es so weit kommen, dass ihr bis zu einem Streit gelangt – weil ihr euch einfach nicht nah genug seid. Kann man das eine oberflächliche Freundschaft nennen? Mag sein. Aber sobald man wegzieht, die Schule wechselt, jemand anders dazu kommt oder sich eure Interessen einfach verändern, verfliegt die Freundschaft. Dann stellt sich heraus, dass es doch nur eine Bekanntschaft ist. So ist jedenfalls meine These. Und ich bin mir sicher, jeder von euch hat gerade eine Person vor seinem inneren Auge, zu dem diese Beschreibung passt. Diese Person hat euch nicht verletzt, sie war kein falscher Freund. Sie hat euch einfach aufgegeben, bevor es zu einer richtigen Freundschaft werden konnte, auch wenn der Anfang so gut gestartet hat. Oder ihr habt sie aufgegeben.

Ich denke in letzter Zeit viel über Freundschaften nach, auch weil ich eben weggezogen bin und den Großteil meiner Freunde zurückgelassen habe. Ich sehe, welche Freundschaft dieser Entfernung standhält und bei wem das Interesse einfach immer weiter zurückgeht. Dabei kann ich mich glücklich schätzen, dass der erste Teil den zweiten eindeutig überwiegt. Dennoch ist es schade, dass manche „Freundschaften“ diese Entfernung nicht überstehen werden und man sich irgendwann nur noch zu flüchtigen Bekannten entwickelt.


Vita schreibt über ihre Erfahrungen und Erlebnisse als junge Frau. Sie erzählt seit 2012 von ihren Lieblingsmomenten, Wünschen und Rückschlägen. Der Blog "Vita Corio" ist ein persönlicher Lifestyle Blog, welcher Vita über all die Jahre hinweg begleitet.

  1. Liebe Vita, seit kurzem folge ich Dir bzw. Deinem Blog. Ich bin erstaunt über die Einsichten Freundschaften betreffend. Das hätte ich einem so jungen Mädchen nicht zugetraut.
    Da sieht man mal wieder, dass man mit Vorurteilen behaftet ist, obwohl man denkt, man hätte keine. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Generation Facebook Tausende Freunde nennt – oder es liegt an Facebook, die den Begriff „Freunde“ nutzt, obwohl es doch eigentlich nur oberflächliche Bekannte sind, die wir oft nicht einmal persönlich kennen.
    Du bist auf einem guten Weg… weiter so.
    LG Karin

  2. June

    15 März

    Ein sehr schöner, treffender Titel. Ich finde, das ist ein wichtiges Thema. Ich hatte auch viele „Freunde“, bei denen sich dann herausstellte, dass es wohl doch weniger Freunde, als viel mehr gute Bekannte waren, welchen es immer um ihren eigenen Vorteil ging. Gut wenn man es noch rechtzeitig merkt.

    June

  3. Julia

    15 März

    Du sprichst mir aus der Seele. Im Nachhinein habe ich auch schon gemerkt, dass eine wirkliche Freundschaft nie bestand. Umso glücklicher bin ich über die Freundschaften, die schon viel erlebt haben, aber trotzdem immer noch da sind.

    Alles Liebe, Julia.

  4. Sabine

    15 März

    Du hast in allem recht, was du sagst. Aber – auch wenn das jetzt herzlos klingt – letztendlich ist es auch gut, dass es auch diese losen Bekanntschaften gibt, die nie zu mehr werden. Gäbe es sie nicht, wäre man wahrscheinlich einsam (oder zumindest öfter gelangweilt), und würden alle davon zu tiefen Freundschaften, hätte man gar keine Zeit für sie. Es fällt mir jetzt schon schwer, mich bei meinen paar wenigen guten Freunden von zuhause regelmäßig zu melden, wo ich Vollzeit in einer neuen Stadt arbeite. Und da mangelt es nicht an der Emotion, sondern wirklich nur an der Zeit…

  5. Ich stimme dir vollkommen zu meine liebe Vita! :) Mal wieder ein total schön geschriebener Text und so wahr!

  6. Du sprichst mir aus der Seele, toller Text. Solche Freundschaften gibt es leider immer.. aber irgendwann „selektieren“ sich dann die echten Freunde heraus, finde ich.. Werde aber auch wahrscheinlich bald wegziehen, dann wird das nochmal eine neue Herausforderung.

  7. Isbel

    21 April

    Erstmal muss ich sagen, dass ich deine Art zu schreiben total schön finde. Und jetzt zum Thema. Mir wurde früher oft vorgeworfen, dass ich mich nicht öffnen kann und ich selbst schuld bin, wenn da keine Freundschaft entsteht. Das habe ich mir früher immer total zu Herzen genommen und mich verstellt, weil ich mich zwar immer noch nicht fremden Menschen direkt öffnen konnte, aber das von mir ja anscheinend erwartet wurde. Heutzutage bestehen aus der Zeit nur noch Freundschaften, bei denen ich mich nicht verstellt habe. Freundschaften mit Menschen, dir mir Zeit gegeben haben. Und diesen Menschen bin ich unglaublich dankbar dafür. Auch wenn man mal Monate keinen Kontakt hat, ist beim Treffen immer noch alles beim Alten. Und den anderen trauere ich keine Sekunde lang nach.

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