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Male Gaze: Wieso wir die Welt mit einem männlichen Blick betrachten

Male Gaze

Der männliche Blick, auch Male Gaze genannt, begleitet uns durch alle Lebensbereiche hinweg. Male Gaze?! Du hast richtig gehört. Dabei haben aber nicht nur Männer diesen Blick, sondern auch wir Frauen. Wieso wir die Welt mit einem männlichen Blick betrachten? Das lässt sich mit ein paar Theorien ganz leicht erklären. Los geht’s!

Was ist der Male Gaze genau?

Wie bereits erwähnt, ist der Male Gaze der aktiv-männlich dominierende Blick der Gesellschaft. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Filmtheorie, in welcher der Male Gaze als Theorie zur Lust am Schauen verwendet wird. Der männliche Blick ist neugierig, betrachtet den Film und objektiviert die weiblichen Protagonistinnen. Deshalb wird die Frau zum unverzichtbaren Objekt im Film. Überlegt mal, wie oft Frauen nur als Nebenrolle im Film vorkommen (besonders in alten Klassikern). Meistens sind sie nur zu ästhetischen Zwecken dargestellt. Man selbst nimmt dabei stets die Rolle des Betrachters bzw. des männlich handelnden Protagonisten ein.

Wieso wir alle den Male Gaze haben

Denke einmal an eine Werbung, die du letztens gesehen hast. War eine Frau darin präsent? Hast du die Frau als eigenständig handelnde Person wahrgenommen? Oder doch eher als Objekt zur Vermittlung der Werbebotschaft?

Auch wir Frauen haben den Male Gaze. So betrachten wir nämlich andere Frauen. Kein Wunder also, dass wir uns mit anderen Frauen vergleichen und diese hin und wieder auch objektivieren, ohne dass es uns wirklich bewusst ist. Wenn bei GNTM ein Mädchen auf die Bühne spaziert, betrachtest du sie nämlich anders, als wenn du deine beste Freundin siehst. Du nimmst die Person dann nicht als Subjekt, sondern als Objekt wahr.

Male Gaze

Faszination menschlicher Körper

Wir sind fasziniert von der menschlichen Gestalt. Kennst du die Nachrichten, in denen immer wieder erzählt wird, wie Menschen zwar starren, aber nicht helfen? Das kann man auf die Skopophilie, die Lust am Schauen, zurückführen. Wir schauen gerne hin. Wir beobachten gerne. Und noch viel lieber beobachten wir menschliche Körper.

Wenn wir unseren Blick auf andere Körper richten, werden wir zu den Akteuren und die Angeblickten zu den passiven Objekten. Betrachtet man das Ganze filmtheoretisch, erfüllt man damit einerseits die Lust am Schauen, indem man ein Objekt der Begierde betrachtet, andererseits identifiziert man sich selbst mit dem Objekt und stillt seinen Narzissmus damit.

Was bedeutet der Male Gaze für unsere Gesellschaft

Ob wir es also wollen oder nicht: Wir als Frauen werden objektiviert und objektivieren selbst. Man möge meinen, das sein ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt. Durch die kulturellen Strukturen unserer westlichen Kultur fällt uns diese Aufgabe aber zurecht schwer. Denn als Frau wurde uns seit dem Kindesalter vermittelt, dass wir Träger des Blickes sind, dass wir erscheinen und uns darstellen müssen. Seien es unsere Eltern, die uns hübsch gekleidet haben, Zeitschriften, die uns vermitteln, was Jungen toll finden oder weibliche Popstars, deren Körper im Vordergrund steht.

Vielleicht kennst du diese einfache Situation: Du kommst ungeschminkt zur Schule oder Uni, während du normalerweise geschminkt bist. Wurdest du dann schon einmal darauf hingewiesen, dass du krank aussiehst? Das Erscheinungsbild der Frau steht an erster Stelle, ob wir es wollen oder nicht. Denn zu einer solchen Situation würde es beim Mann gar nicht erst kommen.

Was wir dagegen machen können?

Frauen nicht mehr nach ihrem Aussehen bewerten. Frauen als charaktervolle Personen erkennen. Und Frauen nicht als Sexobjekte klassifizieren. Ich merke selbst, wie ich viel zu oft bei Sendungen wie GNTM, Der Bachelor oder anderen „frauenverachtenden“ Formaten zu herabschauenden Urteilen neige, während ich eigentlich viel lieber zu den Frauen stehen sollte.

Auch wenn der Male Gaze ein gelernter Blick ist, der uns von der Gesellschaft vorgegeben ist, können wir trotzdem mit dem Female Gaze dagegen kämpfen und Frauen so sehen, wie sie eigentlich sind.

Kanntest du den Begriff „Male Gaze“ schon? Stimmst du mit der Theorie überein? Wie nimmst du deinen eigenen Blick wahr?

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Vita schreibt über ihre Erfahrungen und Erlebnisse als junge Frau. Sie erzählt seit 2012 von ihren Lieblingsmomenten, Wünschen und Rückschlägen. Der Blog "Vita Corio" ist ein persönlicher Lifestyle Blog, welcher Vita über all die Jahre hinweg begleitet.

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  1. Anoym

    7 März

    „Vielleicht kennst du diese einfache Situation: Du kommst ungeschminkt zur Schule oder Uni, während du normalerweise geschminkt bist. Wurdest du dann schon einmal darauf hingewiesen, dass du krank aussiehst? Das Erscheinungsbild der Frau steht an erster Stelle, ob wir es wollen oder nicht. Denn zu einer solchen Situation würde es beim Mann gar nicht erst kommen.“
    Männer schminken sich ja auch nicht und deshalb fällt einfach kein Unterschied auf, ob jemand blasser ist (zB kein Rouge verwendet). Würde ein ein Mann immer topgestylt mit geglätteter Mähne auftauchen und einmal im Normalo- oder Out of bed Look würde das ebenfalls auffallen und man würde sich fragen „ist er krank?“.
    Meiner Meinung nach werden Männer oft ähnlich oberflächlich betrachtet wie Frauen. Aber in erster Linie von Frauen und nicht von anderen Männern.

  2. Marlena

    13 März

    Was für ein interesanter Beitrag! Du hast total recht, meine beste Freundin würde ich so nicht als ein Objekt betrachten aber es ist total interessant wie die Medien uns einwickeln!
    Sehr toller Post liebes :)

    Ganz liebe Grüße – Marlena von http://www.sparklingmind.de

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